Meine finnische Schule - Bericht aus dem Auslandsjahr

Ich bin jetzt schon fast zwei Monate in Finnland und gehe seit sechs Wochen zur Schule. Meine Schule heißt „Raahen lukio“ und ist eine Art Gymnasiale Oberstufe. Ich gehe in die erste Klasse der Oberstufe.

Das finnische Schulsystem unterscheidet sich sehr von dem deutschen. Die Schüler müssen alle sechs Wochen neue Kurse wählen. Jeder kann sich seinen Stundenplan selbst zusammenstellen, man muss nur nach den drei Jahren eine bestimmte Anzahl an Kursen in jedem Fach gehabt haben. Nach fünf Wochen werden die Schüler in allen Kursen, die sie besucht haben, getestet und nach der Examen Woche beginnt eine neue Periode (Jakso). Im ersten Jakso hatte ich Englisch, Deutsch, Mathe, Informatik, Kunst, Musik und Sport. Diese Woche ist die Prüfungswoche und nächste Woche beginnt dann die nächste Periode. Ich habe nur Englisch und Mathe mitgeschrieben. Im zweiten Jakso habe ich Französisch, Mathe, Kunst, Musik und Sport. Ich habe am Anfang zunächst Fächer gewählt, in denen die Lehrer nicht so viel Finnisch sprechen. Mein Finnisch ist noch nicht sehr gut. Manchmal verstehe ich, über was die Leute sich unterhalten, aber es ist sehr schwer Sätze zu bilden. Ich habe, gemeinsam mit einem anderen Austauschschüler, eine Stunde Finnisch in der Schule und zusätzlich Finnisch außerhalb der Schule. Eine Schulstunde dauert hier 75 Minuten, danach hat man 15 Minuten Pause und nach der zweiten Stunde gibt es Mittagessen (um 11:15 Uhr). Das Mittagessen ist kostenlos, dafür muss man aber alle Schulbücher selbst kaufen. Man hat jedes Fach drei Stunden wöchentlich, egal ob Musik oder Mathe. Ein Unterschied, an den ich mich erst gewöhnen musste, ist, dass die Schüler die Lehrer mit dem Vornamen ansprechen und nicht siezen. Ich habe den Eindruck, dass die finnischen Schüler viel ruhiger sind als die Deutschen, während der Stunde redet keiner. Außerdem melden sich die Schüler nicht, der Lehrer ruft die Schüler auf.

Ich finde das finnische Schulsystem gut. Es ist sehr frei, weil man sich seinen eigenen Stundenplan zusammenstellt. Trotzdem ist es sehr anspruchsvoll. Am Anfang habe ich gedacht, dass es einfach wird, aber dann wurden die Lehrer immer schneller. Sie haben fast jede Stunde ein neues Thema angefangen. Es fällt mir schwer dem Unterricht zu folgen, weil ich kein Finnisch spreche. Ich denke aber, dass das besser wird, sobald ich Finnisch spreche. In Englisch haben wir zum Beispiel mit „Simple Present“ angefangen und innerhalb der fünf oder sechs Wochen alle Zeiten gelernt und die Schüler mussten alle „Irregular Verbs“ lernen. Das war theoretisch kein Problem, weil wir das schon alles in Deutschland hatten, aber ich wusste auch nicht mehr alles. In dem Test musste man dann alle Zeiten können, alle Vokabeln, die wir gelernt haben und über den Inhalt der Texte Bescheid wissen. Zusätzlich haben wir einen Hörverständnistest geschrieben, einen Aufsatz und ein Leseverständnistest. Ich bin froh, dass alle Lehrer gutes Englisch sprechen und sehr hilfsbereit sind.

Vanessa Plischek, via Email aus Finnland an Dr. G. Hoffmann am 26. September 2016
(Vanessa absolviert in der E-Phase (Klasse 11) ein Auslandsjahr an einer Schule in Finnland)