Unser Anbau ist eingeweiht!

Feierlich ging es zu unter der alten Eiche im Park des Litauischen Gymnasiums am Donnerstag, den 26. April 2012, und die Schüler, Lehrer sowie die zahlreichen geladenen Gäste hatten auch allen Grund zur Freude. Denn nach zweijähriger Bauzeit wurde der neue Schulanbau eingeweiht. In diesem finden nun zwei Schulklassen und ein Lehrerzimmer Platz, in dem ebenfalls der Unterricht einer kleinen Klasse möglich ist. Eine Besonderheit ist jedoch der kombinierte Fachbereich aus Physik, Chemie und Biologie mit Sammlung im Obergeschoss, auf den sich die Schüler besonders freuen.

Welche Bedeutung das Litauische Gymnasium in der fernen Heimat im Baltikum hat, wurde in manchem Grußwort deutlich. Doch am meisten konnte man dies an den prominenten Besuchern sehen. Zahlreiche Vertreter aus der litauischen Politik waren eigens nach Hüttenfeld angereist, an ihrer Spitze die Präsidentin des Parlaments der Republik Litauen, Irena Degutiene.

Nach dem Eintreffen der Honoratioren begaben sich alle Gäste, Schüler und Lehrer durch einen Bogen aus Bändern, der durch Schülerinnen und Schüler in litauischer Tracht gespannt wurde, unter die alte Eiche. Dort erfolgte die offizielle Begrüßung durch die Direktorin des Gymnasiums, Dr. Bronė Narkevičienė und den Vorsitzenden des Kuratoriums, Rimas Čuplinskas. Die Begrüßung wurde wie die meisten anderen Grußworte sowohl in deutscher als auch in litauischer Sprache gehalten. Dr. Narkevičienė betonte dabei sichtlich gerührt, dass es nicht viele Momente im Leben gäbe, in denen man mit dem ganzen Körper spüre, wie viele Menschen einen unterstützen. Dies sei so ein Moment.

Rimas Čuplinskas ergänzte: "In Europa muss zusammenwachsen, was zusammen gehört. Wir tragen unseren kleinen Beitrag dazu bei, in dieser in dieser unwahrscheinlichen Schule an diesem unwahrscheinlichen Ort, so weit von Litauen entfernt." Die Gründung der Schule sei mit einem Traum einhergegangen. Dem Traum der Freiheit Litauens. Dieser Traum hat sich erfüllt und die Schule ist ein wichtiges Symbol für diese Freiheit. Sehr viele Menschen haben dies ermöglicht. "Danke an alle, die helfen, dass zusammen wächst, was zusammen gehört", schloss er seine Rede.

Die Präsidentin des Parlaments der Republik Litauen, Irena Degutiene, freute sich mit den Schülern und Lehrern: "Wir haben hier eine litauische Insel gesehen, mit litauischen Tänzen und litauischer Musik. Unsere Völker nähern sich einander und die Kulturen beeinflussen sich. Wir sind alle glücklich in Europa und können unsere Probleme gemeinsam lösen. Denn Europa ist eine Familie, und wir gehören zu dieser Familie."

Der Präsident des Hessischen Landtages, Norbert Kartmann, hatte es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, der Zeremonie beizuwohnen. "Unsere Aufgabe ist es, dass das Litauische Gymnasium, dass diese Insel mit uns verbunden ist und dass wir sie fördern. Wir sind stolz darauf, dass diese großartige Insel in Hessen ist, mitten in Europa und mitten in Deutschland." Gleichzeitig bedankte er sich dafür, dass die hessischen Vertreter in Litauen immer willkommen sind. "Ich rate Ihnen: Fahren Sie nach Litauen, in dieses wunderbare Land", rief Kartmann den Anwesenden abschließend zu.

Prälat Dietmar Giebelmann verwies darauf, dass dies zwar ein freudiger Anlass der Zusammenkunft sei, dass es aber auch noch viel zu tun gäbe. So hoffte er unter großem Jubel, dass eine baldige Sanierung des alten Gebäudes möglich sei und vor allem dass sich irgendwann ein lang gehegter Wunsch erfülle, der Wunsch nach einer eigenen Sporthalle.

Direktorin Dr. Brone Narkeviciene und Rimas Cuplinskas bedankten sich bei allen, die zum Bau des Schulanbaus beigetragen haben und überreichten diesen eigens für die Feierlichkeiten gedruckte Karten und Originalzeichnungen der Lehrerin und Künstlerin Jūratė Batūra-Lemke.

Nach der Segnung durch Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann, Prälat Edmundas Putrimas und dem evangelisch-lutherischen Pfarrer Ricardas Baliulis ging es für alle in den gemütlichen Teil des Nachmittags mit Kaffee und Kuchen über. Umrahmt wurde das Programm immer wieder durch traditionelle litauische Gesänge und Tänzen in landesüblicher Tracht, die einen beeindruckenden Einblick in die Kultur des baltischen Staates gaben.

Möglich wurde der Neubau, der insgesamt etwas über eine Million Euro kostete, durch eine ganze Reihe von Unterstützern. Sozusagen den Startschuss hatte Ende 2009 eine Zusage von 200.000 Euro aus den Mitteln des Konjunkturprogramms des Landes Hessen gegeben. Der Spatenstich erfolgte im Frühjahr 2010 und seitdem flossen immer neue Gelder auf das Baukonto. Mit 100.000 Euro unterstützte das Bistum Mainz den Bau, und Litauen steuerte 150.000 Euro bei. Etwa 30.000 Euro stammen aus privaten Spenden.

So konnte das neue Schulgebäude verwirklicht werden und der Traum der litauischen Insel im Herzen Europas, von der Völkerverständigung und vom Zusammenwachsen Europas findet in Hüttenfeld seine Fortsetzung.

Benjamin Kloos
TIP-Verlag
27.04.2012