Litauer halten an westlichen Werten fest

HÜTTENFELD - Am Samstag feierten litauische Bürger aus ganz Deutschland in Hüttenfeld ihren Unabhängigkeitstag. Nachdem das Litauische Gymnasium und die in Hüttenfeld lebenden Litauer bereits am 16. Februar im kleinen Rahmen gefeiert hatten, stand der gesamte Samstag im Zeichen des Nationalfeiertags. Nach einem akademischen Teil am Nachmittag unter Beteiligung von viel Prominenz besuchten die nicht nur aus ganz Deutschland, sondern teilweise auch aus Litauen selbst angereisten Gäste einen Festgottesdienst und feierten mit Musik und Tanz bis in die Nacht hinein im Bürgerhaus. Der akademische Teil fand im Festsaal des Schlosses Rennhof statt.

Dank für Haltung der Bundesrepublik Deutschland

 

Nach der litauischen Nationalhymne und dem Deutschlandlied begrüßte der vor drei Wochen in das Amt gewählte neue Bundesvorsitzende der Litauischen Gemeinschaft in Deutschland, Alfred Hermann aus München, in seiner Eröffnungsansprache neben dem Festredner die Vertreter der Geistlichkeit sowie die zahlreichen Vertreter aus Politik und Diplomatie, namentlich Botschafter Deividas Matulionis mit Ehefrau, Honorarkonsulin Eva Dude, Honorarkonsul Freiherr Dr. Wolfgang von Stetten, den ehemaligen Honorarkonsul Achim Naumann, die Bundestagsabgeordneten Michael Meister und Christine Lambrecht, Staatsminister a. D. Karl Starzacher sowie aus Litauen die Vertreterin des Kultusministeriums, Ruta Ramanauskiene, und des Außenministeriums, Laura Dilyte-Butkiene.

Nach dem Vorsitzenden der Litauischen Gemeinschaft begrüßte auch die Schulleiterin des Litauischen Gymnasiums, Janina Vaitkiene, die Anwesenden. Botschafter Deividas Matulionis bedankte sich beim Litauischen Gymnasium, wo er in den letzten vier Jahren unzählige Male dagewesen war und sich immer wieder freue wiederzukommen. Der Botschafter erinnerte daran, dass die Bundesrepublik Deutschland die Besetzung Litauens durch die Sowjetunion niemals anerkannt hatte, da Litauen dieser nicht freiwillig beigetreten war.

Weitere Grußredner waren Honorarkonsul Wolfgang von Stetten und die Bundestagsabgeordneten Michael Meister und Christine Lambrecht. Meister freute sich, dass die Litauer Deutschlands in Hüttenfeld über einen zentralen Ort verfügen. Lambrecht sagte, es sei eine Freude zu sehen, wie die Litauer diesen Tag begehen. Weiter stellte sie fest, dass Litauen und Deutschland an den Werten des Westens festhalten – Freiheit, Frieden, Sicherheit, Menschlichkeit. Letzter Grußredner war Fürst Inigo von Urach, dessen Großvater 1917/18 für knapp vier Monate zum König von Litauen gewählt war. Obwohl sich Litauen am 16. Februar 1918 für die Staatsform einer Republik entschied, hatte sein Großvater verfügt, dass seine Nachkommen die Beziehungen und Kontakte zu Litauen aufrechterhalten sollen.

Generationen von Schülern geprägt

Es folgte die Festrede von Rytis Martikonis, des Generaldirektors der Übersetzungsdienste bei der EU-Kommission in Brüssel. Er sprach in seinem Vortrag über die Geschichte und Gegenwart Litauens und die Leistungen der Exillitauer während der über 50-jährigen sowjetischen Besatzung Litauens von 1940 bis 1991. Besonders hob er die seit 1954 bestehenden europäischen litauischen Studienwochen hervor. Speziell erinnerte er an Dr. Jonas Grinius, der als Lehrer am Litauischen Gymnasium Generationen von Schülern geprägt hat.

Nach der Festrede wurde das Stipendium des 16. Februar verliehen. Das von Jurate Caspersen, der Vorsitzenden der Litauischen Gemeinschaft in der Schweiz, gestiftete Stipendium soll an einen Schüler gehen, der nicht nur sehr gute Lernerfolge erzielt, sondern auch ehrenamtliche Arbeit leistet. Preisträger wurde Julian Kruhmann, Stipendien der Litauischen Gemeinschaft erhielten Domas Paulauskas und Aida Valentin.

Zum Schluss überreichte der Bundesvorsitzende Alfred Hermann an Rimantas Dailidonis, den Vorsitzenden des neugegründeten Ortsvereins Kassel, Startmittel für die neu gegründete litauische Samstagsschule.

 

Anthony Verselis
Lampertheimer Zeitung